V60 als Videolok


Bei einem Fahrtag mit Freunden kam die Frage auf:

"Hast du noch kein Video von einer Mitfahrt auf der Anlage?"

Hatte ich noch nicht, obwohl ich schon mal mit einer normalen Videokamera experimentiert hatte. Die Ergebnisse waren nicht zufriedenstellend:

  • die Kamera musste auf einem Flachwagen fixiert werden, was nicht absolut stabil gelang
  • selbst für Spur1 war die Kamera zu groß
  • Handy im Querformat war zu breit
  • dem Handy fehlte es am Masse (Gewicht), um wackelfreie Bilder zu liefern

Also wurde das Thema wieder liegen gelassen.

Nachdem wir aber bei dem Fahrtag auch noch das Thema 3D-Druck hatten war klar: Es ist eigentlich alles Dank einer Autokamera vorhanden, um Anlagenfahrten aufzunehmen.

Folgende Randbedingungen waren vorhanden oder sollten berücksichtigt werden:

  • als Kamera sollte die vorhandene Dashcam eingesetzt werden, in diesem Fall die Rollei CamDVR-110
  • 3D-Drucker war vorhanden
  • Videolok sollte die V60 (Märklin MAXI) werden:
    • die Lok hat genug Masse für eine ruhige Fahrt
    • sie hat eine einfache Pufferbohle und keine Federpuffer, also eine stabile Ansteckmöglichkeit
    • dennoch sollte an der Lok nichts verändert werden müssen
Die 3D-Druck Konstruktionsteile
Es wurden 4 Komponenten konstruiert:
  • Klemmleiste Puffer

Die Klemmleiste ist das grundlegende Befestigungsteil. Sie wurde bewusst von der Kamerahaltung getrennt, da die Dashcam ja nur ein Test ist und irgendwann gegen eine geeignetere Kamera getauscht wird - dann mit einem anderen Kamerahalter.

  • Kamerahalter

Der Kamerahalter ist die eigentliche Aufnahme für die Dashcam und speziell auf ihre Abmessungen ausgelegt. Durch das Loch in der Seite kann mit einem Stift der Ein-Aus-Schalter betätigt werden. Der Halter wird nur mit zwei kleinen Klebestellen mittels Sekundenklber auf die Klemmleiste Puffer geklebt und kann mit geringem Kraftaufwand wird getrennt werden.

  • Klemmleiste Kamera

Die in die Halterung von oben eingesteckte Kamera wird durch diese Klemmleiste fixiert. In Kamerahalterung und Klemmleiste sind jeweils dünne Gummistreifen eingeklebt, um Bewegung der Kamera bei Stößen bzw Erschütterungen zu vermeiden.

  • Fixierung V60

Zur Fixierung der gesamten Kalterung an der Lok dient diese Leiste, die oben auf die Klemmleiste Kamera gesteckt wird und auf der Lokseite auf den Auspuff der V60. Somit wird Kippen der Kamera nach vorn oder hinten verhindert.

Aufbau an der V60

Alle Teile werden lediglich angesteckt. An der Lok sind keinerlei Veränderungen erforderlich. Alles ist ohne Werkzeug oder Lösen von Klebestellen wieder entfernbar.

Die obere Fixierung kommt als ebenes Teil aus dem Drucker. Der PLA-Kunststoff kann aber einfach durch vorsichtiges Erwärmen - z.B. mit einem Feuerzeug - in die passende Form gebogen werden.


Fazit

Nach zwei Tagen 3D-Konstruktion, Druck und Montagetest konnte ich nun mit der vorhandenen Dashcam erstmals Aufnahmen aus der Führerstandsperspektive machen - eine vollkommen neue Sicht auf meine Anlage.

Dies ist natürlich keine zeitgemäß qualitative Lösung:

  • die Kamera ist ca 8 Jahre alt
  • sie ist gut bei Tageslicht und liefert dann auch FHD Videos 1920x1080
  • hier bei Kunstlicht musste auf HD 1280x720 reduziert werden, um Bildrauschen so gering wie möglich zu halten
  • die Helligkeit aller Videoteile musste nachjustiert werden
  • die Geschwindigkeit der V60 musste halbiert werden, um Bildruckeln zu vermeiden

Alle Aufnahmefahrten wurden im Fahrdienstleiter-Modus durch den Traincontroller gesteuert - wie sonst auch im automatischen Zugbetrieb.

Aufnahmen von den Testfahrten habe ich in einem Youtube-Video zusammengestellt und sind demnächst auch in meiner Video-Gallery anzusehen.  


Die 3D-Unterlagen und Bilder in Originalgröße findet ihr im Downloadbereich.

 

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